Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde von Uwe.
Immer wieder lesen Christine und ich Ihre Einträge auf diesen Gedenkseiten. Das erste Lesen wurde von Weinen begleitet, denn unser Verlust ist groß und schmerzlich, kaum zu ertragen. Die Art und Weise, wie Uwe und seine Arbeit beschrieben werden, zeigt uns aber, wie Sie alle ihn gekannt und geschätzt haben. Das tut uns gut und ist tröstlich in dieser schweren Zeit. Und dann zeigt sich hin und wieder ein kleines Lächeln in unseren Gesichtern, denn so manches können wir uns sehr gut vorstellen.
Als Schwester möchte ich aus einem kleinen Teil meines Lebens mit Uwe erzählen und dadurch bei Ihnen allen das Bild von ihm vervollständigen und Ihre Erlebnisse und Begebenheiten mit ihm abzurunden.
Ich bin davon überzeugt, dass der Grundstein zu seiner Raumfahrtverrücktheit im Kindesalter gelegt wurde. Nach der Mondlandung, nach den berühmten Worten von Neil Armstrong, festigte sich sein Wunsch, irgendetwas mit „Raumfahrt“ zu machen. Bis dahin waren es Flugzeuge gewesen, die ihn faszinierten, nun wurden alte Teekisten umfunktioniert zu Raumschiffen. Manchmal als Ganzes, manchmal nur als Cockpit, in dem auch ich mit Platz nehmen durfte. Die aufgemalten Knöpfe allerdings durfte ich nie bedienen. Das war sein Privileg. Von Sicherheit und Tests hielt er damals noch nicht so viel, bei manchen seiner Experimente habe ich mir die Finger verbrannt.
Als er viel später nach abgeschlossenem Studium bei Ihnen in Bremen landete, begriff ich, dass seine kindlichen Fantasien und Träumereien sich bewahrheiten würden. Sein Beruf war seine Berufung und seine Leidenschaft übertrug sich auf andere, auch auf mich. Ariane, ATV, zuletzt Orion, ich ließ mich mitziehen und wurde von ihm über die Fortschritte unterrichtet. Beim Start des ATV im Jahr 2008 saß ich nachts am heimischen Rechner, fieberte beim Countdown mit, sah die Ariane mit ihrer Last verschwinden und wenige Stunden später kam ein Anruf aus Kourou: “Schwesterherz, wir sind im Orbit.“ Einige Wochen später durfte ich Uwe zur Liveübertragung des Andockmanövers nach Bremen begleiten, ein großes Abenteuer für mich.
Mit Uwe konnte ich verrückte Dinge tun. Im letzten Jahr, als sich die Mondlandung zum 50. Mal jährte, trafen wir beide uns am Dollart. Uwe hatte eine Überraschung für mich. Wir saßen am Deich, zwischen uns eine alte Thermoskanne, mit Tee gefüllt. Aus einem alten Radio hörten wir noch einmal den Originalton der Mondlandung, Bilder von Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins säumten dieses Arrangement.
Manchmal gingen wir zusammen ins Kino, natürlich mussten es Raumfahrtfilme sein. Dann saßen wir, wie Kinder, mit Popcorn und Cola im „Marsianer“ oder in „Gravity“. Natürlich erhielt ich auch dann Lehrstunden, denn Uwe erklärte mir, warum und wieso diese oder jene Filmsequenz so nicht sein könnte. Wir waren beide bestückt mit DVDs all dieser Astronautenfilme, dennoch, lief im Fernsehen die 100. Wiederholung von „Armageddon“ wurde kurz telefoniert und darauf hingewiesen. Und dann waren da noch die „Space Cowboys“. Das Team Daedalus, die pensionierten Männer, die in einem Space Shuttle in den Weltraum geschickt werden, weil sich niemand mehr mit der altgedienten Technik auskennt, um das Antriebssystem des Satelliten zu reparieren. Unser absoluter Lieblingsfilm! Und jeder, der diesen Film kennt, weiß um das Ende! „Fly me to the moon, let me play among the stars…..“
Mein lieber, kleiner Bruder Uwe. Du hattest in deinem Ruhestand noch so viel vor. Auch hier waren deinen Fantasien und Träumereien keine Grenzen gesetzt. Es sollte nicht sein und wir mussten dich gehen lassen. Wir sind unendlich traurig, aber wir glauben und vertrauen darauf, da wo du jetzt bist, gibt es kein Leid und keine Schmerzen. Wir wissen dich geborgen in Gottes Hand.
Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde danken wir von ganzem Herzen für Ihre aufrichtige Anteilnahme.
Christine Schulte und Angelika Wilken